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Abendgebet für gute Tage

Ja gesagt
und auch Nein
zur richtigen Zeit

Menschen getroffen
und Heimat gefunden
am richtigen Ort

Arbeit getan
und den Sinn gewusst
Leben geschmeckt
und verstanden
worden
bis in die Tiefe

Den müden Kopf
in Dein Dunkel gelegt
und die offenen Fragen
an Dein faltiges Herz
ruhewärts.

Carola Moosbach
(aus: Himmelsspuren: Gebete durch Jahr und Tag.
Neukirchen-Vluyn 2001)

 

 




Was ist Jesus

Was ist Jesus
für mich?
Einer, der
für mich ist.

Was ich
von Jesus halte?
Dass er
mich hält.

Lothar Zenetti
(aus: Texte der Zuversicht.
Sankt Ulrich Verlag Wewel/Augsburg)

 

 




Die Dunkelheit teilen

Voller Entsetzen
ist mein Herz
angesichts der endlosen Schrecken,
die du zulässt
im Leben des Menschen,
den ich liebe.
völlig hilflos zu sein
vor soviel auswegloser Not
bringt mich der Verzweiflung
mehr als nahe.
Ich bin wie gelähmt.
Wo bist du, Gott?
Warum lieferst du ihn
so unermesslichem Leid aus?

Du bist ein Gott,
vor dem ich mich fürchte.
Und doch kann ich vor dir
nur zu dir flüchten.
Bettlerin möchte ich sein
vor dir,
rufen und schreien,
schreien und rufen,
bis du dich erbarmst.

Andrea Schwarz

 

 




Halt suchen

Herr,
ich möchte mich festhalten
an deinem Wort,
aber meine Hände
sind kraftlos geworden.
Jetzt muss dein Wort
mich festhalten.

Andrea Schwarz

 

 




Den Schmerzen ausgeliefert sein

Gott,
ich fühle nur die unablässigen Schmerzen,
die meinen Leib durchbohren.
Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Es ist kein Gebet in mir.
Nimm mein Stöhnen als Gebet an.

Antje S. Naegli

 

 




Sehnsucht nach Trost

Herr,
ich habe
ein so verzweifeltes Verlangen
nach Getröstetwerden.
Es ist niemand da,
der meine Hand hält,
an dessen Brust
ich mich flüchten,
in dessen Arme
ich mich bergen kann,
bei dem ich weinen darf,
der mir Trost zuspricht.

Herr, ich habe gelernt,
dass du mir Zuflucht sein willst,
aber es ist nur ein Wissen des Verstandes.
Mein Herz vermag es nicht zu stillen.
Ich bitte dich,
lass mich deine Nähe erfahren
wie die Nähe eines geliebten Menschen.
Birg mich, Herr, an deinem Herzen.

Antje S. Naegli

 

 




An Gott leiden

Wo bist du, mein Gott?
Ich suche dich
mit wachsender Verzweiflung
aber ich schreite nur
durch leere Räume.

Nimm die Nacht
aus meinen Augen,
dass ich dich erkenne
und die Angst
von mir weiche.

Antje S. Naegli

 

 




Wenn die Last zu schwer wird

Gott,
mein Leben ist mir zu einer Last geworden,
die ich kaum noch zu tragen vermag.
Am Tage warte ich,
dass es endlich Abend wird,
und in schlaflosen Nachtstunden
warte ich auf den Morgen.

Herr,
du weißt, dass ich schon längst
an den Grenzen meiner Belastbarkeit
angekommen bin,
dass meine Lebenskraft gebrochen ist.

Lange habe ich versucht,
mir deine Verheißungen vorzusprechen,
aber sie erreichen mich nicht mehr.
In unendliche Ferne gerückt
bist du mir.

Ich kann nicht mehr in mir zurückrufen
die Zeiten, da dein Wort
mir Hilfe, Trost und Freude war.
Und doch habe ich ein unermessliches Verlangen,
dich neu zu erfahren
als den, der mich auffängt,
als den, der mich tröstet,
als den, der mich wieder atmen lässt,
als den, zu dem ich gehören darf.

Herr, mein Gott,
warte nicht länger.
Ich kann nicht mehr.
Ich bitte dich: Komm!

Antje S. Naegli

 

 




Segensbitte

Herr, segne meine Hände
dass sie behutsam seien,
dass sie halten können,
ohne zur Fessel zu werden.
dass sie geben können ohne Berechnung,
dasss ihnen innewohne
die Kraft, zu trösten und zu segnen.

Herr, segne meine Augen,
dass sie Bedürftigkeit wahrnehmen,
dass sie das Unscheinbare nicht
übersehen,
dass sie hindurchschauen
durch das Vordergründige,
dass andere sich wohl fühlen können
unter meinem Blick.

Herr, segne meine Ohren,
dass sie deine Stimme
zu erhorchen vermögen,
dass sie hellhörig seien
für die Stimme der Not,
dass sie verschlossen seien
für den Lärm und das Geschwätz,
dass sie das Unbequeme nicht überhören.

Herr, segne meinen Mund,
dass er dich bezeuge,
dass nichts von ihm ausgehe,
was verletzt und zerstört,
dass er heilende Worte spreche,
dass er Anvertrautes bewahre.

Herr, segne mein Herz,
dass es Wohnstatt sei deinem Geist,
dass es Wärme schenken und bergen
kann,
dass es reich sei an Verzeihung,
dass es Leid und Freude teilen kann.

Lass mich dir verfügbar sein, mein Gott,
mit allem, was ich habe und bin.

Antje S. Naegli
(aus: Du hast mein Dunkel geteilt. Gebete an unerträglichen Tagen,
Verlag Herder, Freiburg/ Basel/ Wien 2003.)

 

 




Mich für etwas entscheiden

weil sich einer
für mich entschieden hat

weil einer Mensch geworden ist
damit ich Mensch sein kann

weil einer mich liebt
damit ich lieben kann

weil einer sich hingibt
damit ich leben kann

weil sich einer gibt
in Brot und Wein

damit er in uns ist
damit er uns erfüllt

sich für den entschieden
der mich meint
so wie ich bin

der mich will
so wie ich bin
der Ja sagt

und der es verbindlich meint
der sich festnageln lässt
und der meine Entscheidung will

Andrea Schwarz
(aus: Und jeden Tag mehr leben.
Verlag Herder, Freiburg 2004)

 

 




Vater unser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

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